Königsweg Berufslehre – die Schweizer Berufsbildung ist ein Erfolgsmodell

Nach den Sommerferien beginnen rund 75% der Schulabgänger in der Schweiz ihre Berufslehre.

Wir haben uns mit Urs Casty, dem Gründer der grössten Online-Lehrstellenplattform Yousty, über den Status der Berufslehre, die Karriere und den Wettbewerbsvorteil unterhalten, den unser Berufsbildungssystem dem Land bringt.

Herr Casty, obwohl Sie über eine akademische Laufbahn ins Berufsleben gestartet sind, haben Sie Yousty gegründet – eine Plattform für Lehrstellen?
Zuwenig informiert, habe ich damals für mich nicht an eine Lehre gedacht. Nach dem Studium startete ich eine erfolgreiche Karriere in einem internationalen Grossunternehmen – und erwog schon bald, mich mit etwas Sinnvollerem selbständig zu machen.

Wir sind gewohnt, uns auf Online-Plattformen über Reiseziele, Hotels oder Restaurants ein Bild zu verschaffen. Über Berufe gab es aber nichts, das wusste ich ja aus eigener Erfahrung. So entstand die Idee, alle Informationen an einem Ort zu sammeln und den ganzen Prozess zu digitalisieren: Berufsfindung und -wahl, Schnupperlehre, Bewerbung bis hin zum Lehrvertrag. Sozusagen E-Booking für die Berufswahl! Seit 2009 betreiben wir Yousty als Unternehmen. Heute nutzen rund 50 000 Jugendliche jährlich unseren Berufsfinder. Wir verarbeiten etwa 300 000 Bewerbungen und vermitteln über 80 % der Lernenden in der Schweiz. 7 700 Firmenkunden und 37 Berufsverbände sind Mitglied bei Yousty.


Sie sagen, unser Berufsbildungssystem ist genial und unbedingt zu erhalten. Weshalb?
Studien belegen, dass das Erfolgsmodell Schweiz – unser Wohlstand – auf dem Mix aus 75 % Berufslernenden und 25 % Maturanden beruht. Er garantiert eine niedrige Jugendarbeitslosigkeit und ermöglicht die Integration ausländischer Jugendlicher. Der hohe Innovationsgrad unseres Landes basiert auf der Zusammenarbeit von Akademikern und Fachkräften – und diese Fachkräfte haben fast immer ursprünglich eine Berufslehre gemacht.

Ich bin ausserdem der Meinung, dass der Einstieg ins Berufsleben über die Lehre glücklicher macht. Es bleibt mehr freie Zeit, die oft für Engagements in Vereinen genutzt wird. Das wiederum schult die sozialen Kompetenzen.

Deshalb muss die Berufslehre geschützt werden und die Eintrittshürde ins Gymnasium hoch sein.


Hat die Berufslehre im Vergleich mit einer akademischen Ausbildung nicht eher den schlechteren Ruf?
Für mich ist die Lehre definitiv der Plan A! Ja, Jugendliche werden manchmal aus Prestigegründen ins Gymnasium gedrängt. Oft, weil Akademiker oder Eltern ausländischer Herkunft die Chancen der Schweizer Berufslehre selbst nicht erfahren konnten.

Ich sehe eine Berufslehre als den besten Einstieg in die Karriere. Sie integriert Jugendliche früh in den Arbeitsmarkt und schafft eine solide Basis. Die erworbenen Handlungs- und Praxiskompetenzen in Kombination mit den schier unerschöpflichen Weiterbildungsmöglichkeiten – von eidgenössischen Berufsdiplomen über Fachhochschulen bis zu Universitäten – ermöglichen eine erfolgreiche Laufbahn in jedem gewünschten Berufsfeld.

Und wenn’s ums Geld geht – Lohnvergleiche bei 35- bis 45-Jährigen mit beruflicher bzw. akademischer Grundausbildung zeigen: Die Unterschiede sind minimal!


Bei Yousty können sich Lernende, Eltern und Lehrpersonen kostenlos informieren und Hilfe für den perfekten Einstieg in die Karriere holen.
Ja! Über 850 Videos geben authentische Einblicke in die 250 Berufe und 10 000 Firmen. Wir informieren über Veranstaltungen oder Firmenbesuche und führen eine Schnupper- und Lehrstellen-Börse für die ganze Schweiz und Liechtenstein. Unser sehr junges Team – zu 80 % Absolventen einer Berufslehre – weiss, was Jugendliche beschäftigt, und berät persönlich auch über Whatsapp Chat.

All das ist kostenlos für Jugendliche, ihre Eltern und Schulen. Also: Am besten mal online reinschauen!


Herr Casty, herzlichen Dank für das pointierte und sehr spannende Gespräch!