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Jugendliche hinterfragen ihr Online Verhalten – das belegen aktuelle Studien

Wenn es um die Online-Nutzung geht, sind Kinder und Jugendliche die Experten und nicht die Erwachsenen. Deshalb eruierte die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ), wie 16- bis 25-Jährige das ständige Online-Sein erleben und wie sie damit umgehen. Das Institut Kinder- und Jugendhilfe der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW führte die repräsentative Studie durch. Dr. Rahel Heeg, Co-Autorin der Studie, stand uns für Fragen zur Verfügung.

Frau Heeg, Sie sagen, es ist wichtig, dass wir die Sichtweise der Kinder und Jugendlichen einbeziehen?
Korrekt! Erwachsene denken, dass sie die Experten sind, was für Kinder und Jugendliche gut ist. Aber wenn es um Technologienutzung geht, sollten wir Kindern und Jugendlichen eine Stimme geben. Sie leben von Geburt an in der digitalen Welt, nutzen diese im Schnitt doppelt so intensiv wie Erwachsene und sind diejenigen, die sich in der Lebens- und Arbeitswelt von morgen zurechtfinden müssen. Fragen wir sie doch einfach.

Sie haben zwei Studien durchgeführt. Das Ergebnis überrascht: Jugendliche machen sich mehr Gedanken über ihre Online-Nutzung als Erwachsene?
Das ist so. Für die Studie «Generation Smartphone» führten wir Interviews und liessen Jugendliche Tagebücher über ihr Verhalten schreiben. Die Daten haben wir zusammen mit den Jugendlichen ausgewertet. Das Ziel: nicht an den Jugendlichen vorbeifragen oder vorbeiinterpretieren. Wir haben die Teilnehmenden aufgeweckt, aktiv, mitdenkend und reflektierend erlebt. In der quantitativen Studie «always on» fragten wir sowohl Jugendliche als auch Erwachsene nach Art, Dauer und Bedeutung der Online-Aktivitäten und nach Regulierungsstrategien. Die Erkenntnis, dass sich Jugendliche deutlich länger und intensiver in der digitalen Welt bewegen als Erwachsene, war zu erwarten. Dass sich mehr Jugendliche als Erwachsene kritisch mit dem eigenen Verhalten auseinandersetzen, erstaunte schon eher.

Was heisst das genau?
Die Jugendlichen schätzen das Online-Angebot, den ständigen Zugang zum Freundeskreis und zu Informationen. Sie nutzen Chats, soziale Netzwerke und Videoportale fast alle täglich. Junge Menschen konsumieren nicht nur im digitalen Raum, sondern sind sehr aktiv: Sie organisieren ihren Alltag – welche Hausaufgaben sind zu erledigen, wo treffen wir uns –, sie informieren sich und bringen sich ein. Etliche Jugendliche werden aber auch nervös, wenn sie länger offline sind, oder fühlen sich durch den ständigen Vergleich mit anderen schlecht. Ja, das Bearbeiten von oft mehreren hundert Nachrichten täglich erzeugt Stress. Die Hälfte der Jugendlichen macht sich viele Gedanken darüber und das sind deutlich mehr als bei den Erwachsenen. Und sie ergreifen selbst aktiv Massnahmen, um die Probleme anzugehen. Beispielsweise entscheiden sie sich bewusst für Prepaid-Handys, damit sie draussen nicht online gehen können. Oder sie sperren nachts das Handy weg, um nicht in Versuchung zu geraten.

Trotzdem sind wir Erwachsenen verantwortlich und machen uns Sorgen – gerade, weil wir in diesem Teil der Welt der Jugendlichen nicht zuhause sind.
Das ist auch gut so. Kinder und Jugendliche brauchen Begleitung und auch Regeln. Es bringt aber nicht viel, wenn wir – obwohl wir wenig Ahnung haben – die Regeln einfach aufstellen. Zielführender wäre es, sich gemeinsam Gedanken zu machen und die Grundregeln zusammen zu definieren. In der Studie «Generation Smartphone» haben Jugendliche einen Monat lang aufgeschrieben, was sie online tun. Viele kamen zu neuen Erkenntnissen über sich selbst. Gelegenheiten, über sich nachzudenken, sind hilfreicher als die Vorgabe strenger Regeln. Schlussendlich müssen Jugendliche Selbstregulierung lernen: «Wie lange bin ich online, wie kommuniziere ich und wie lasse ich Ärger raus?» Das sind alte Themen… sie finden heute einfach auch in der digitalen Welt statt. Selbstregulierung lerne ich aber nicht, wenn ich streng kontrolliert bin. Ausserdem haben wir Erwachsenen oft Vorurteile. Nicht jeder Jugendliche am Smartphone spielt Baller-Games. Viele lesen beispielsweise am Phone.

Welche Rolle können wir Erwachsenen einnehmen?
Wir müssen uns dafür interessieren, was sie online so machen, nachfragen, mal ein Game mitspielen. Je vertrauensvoller die Beziehung ist, desto schneller bemerke ich, ob ein Problem besteht und ich etwas ansprechen muss. Aber ich wehre mich dagegen, die digitale Realität der Jugendlichen nur negativ zu sehen. Ja, Cybermobbing oder Sucht existieren und wir Erwachsenen müssen achtsam sein und gegebenenfalls eingreifen. Aber 95% der Jugendlichen erleben das nicht. Alle Jugendlichen aber erleben die positiven Möglichkeiten der Technologie – kreativ sein, aktiv sein, etwas bewegen können.

Stichwort «etwas bewegen»: Sie haben ganz zu Anfang unseres Gesprächs dafür plädiert, Kindern und Jugendlichen eine Stimme zu geben, wenn es um Themen der digitalen Transformation geht.
Sie nutzen ihre Stimme bereits – auch bei gesellschaftlichen Themen. Online-Plattformen und soziale Medien ermöglichen es, gemeinsam aktiv zu werden, beispielsweise an Klimademos. Weil die Jugendlichen den besten Einblick haben, sollten sie mitreden können – etwa bei Fragen, ob Smartphones an Schulen erlaubt sind oder welche Regeln in der Familie gelten. Generell wäre es spannend, die Stimmen der «Digital Natives» zu hören, wenn es um die Ausgestaltung der digitalen Schweiz geht.

Herzlichen Dank, Frau Heeg, für die spannenden Einsichten in die Materie!

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